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Zur akademischen Lehrpraxis akkreditiert

Hausarztpraxis an der Burg wird künftig noch enger in allgemeinmedizinische Ausbildung eingebunden

Erläuterten und diskutierten Möglichkeiten und Chancen der Landarztquote in der universitären Ausbildung (von links): Dr. med. Lutz Ehnert, Dr. med. Martin Leimbeck,, Dr. med. Alexander Jakob, Dr. med. Günther Stephan, Prof. Dr. med. Markus Schönburg und Prof. Dr. med. Joachim Kreuder.

Münzenberg (HR) Wie findet man ärztlichen Nachwuchs für Landarztpraxen? Diese Frage wird seit vielen Jahren diskutiert, sie steht im Kontext des allgemein beklagten Mangels an Ärztinnen und Ärzten, die bereit sind, sich für die Niederlassung in einer allgemeinmedizinischen Praxis zu entscheiden. Mit dem hochaktuellen Thema „Landarztquote und Studentenausbildung“ beschäftigte sich jetzt auch eine Veranstaltung in der Reihe „Gesund in Münzenberg“ im Alten Rathaus, zu der Dr. med. Lutz Ehnert als Veranstalter kompetente Referenten aus dem universitären und klinischen Bereich eingeladen hatte. Eine wichtige Neuigkeit vorab: Die hausärztliche Praxis an der Burg wird als akademische Lehrpraxis künftig noch enger in die allgemeinmedizinische Ausbildung eingebunden.

Bereits der Erhalt der Praxis an der Burg war nur durch eine bislang eher als unkonventionell geltende Kooperation mit dem regionalen Krankenhausverbund Gesundheitszentrum Wetterau möglich geworden. Neu ist auch die Fragestellung, mit der sich der Vortrag der Gießener Hochschullehrer Prof. Dr. med. Joachim Kreuder, Dr. med. Günther Stephan und Dr. med. Martin Leimbeck befasste: Wie eine Universität zur Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung beitragen könne.

Der Mangel an Hausärztinnen und Hausärzten zeige sich vor allem im ländlichen Raum, sei aber ein allgemeines Problem in fast allen Ländern und werde in seiner Bedeutung in den nächsten Jahren zunehmen, erläuterte Prof. Kreuder. Ein Gegensteuern erfordere nicht nur ein koordiniertes Vorgehen der beteiligten Einrichtungen, sondern auch spezifische Ansatzpunkte.

Den Universitäten oblägen dabei die Zurverfügungstellung der Studienplätze, die Organisation der Landarztquote und die Gestaltung des Studiums mit den entsprechenden Praxisphasen, die Kassenärztliche Vereinigung habe den  Sicherstellungsauftrag einschließlich der Bedarfsplanung, die Landesärztekammer erstelle die Weiterbildungsverordnung und die Kommunen seien beteiligt über die Gesamtplanung der Gesundheitsversorgung und die Bereitstellung der sozialen Infrastruktur wie Kindergarten, Schule und Freizeitgestaltung.

Hessen habe in diesem Kontext einen eigenen Ausbildungsweg entwickelt mit 75 Studienplätzen zum Start im Wintersemester 2023/23, davon 23 in Gießen. Das Auswahlverfahren erfolge in einem genau abgestimmten mehrstufigen Prozess mit festgelegten Modulen. Ziele des Schwerpunktcurriculums „Hausärztliche Versorgung im ländlichen Raum“ seien die umfassende Vorbereitung auf die hausärztliche Tätigkeit sowie die Entwicklung von Kompetenzen für den Weg in die Hausarztpraxis von morgen. Nach zwei Jahren zog Prof. Kreuder eine positive Zwischenbilanz: Von den ursprünglich 21 Studierenden in Gießen haben elf nach vier Semestern die große Hürde im Studium, das Physikum, geschafft. Zusätzlich nähmen unabhängig von der Landarztquote 15 Studierende am Schwerpunktcurriculum teil. Allerdings: “Die Landarztquote benötigt mindestens15 Jahre, um erste valide Effekte zu zeigen“, betonte der Hochschullehrer.

Das neue Münzenberger Hausarztkonzept erläuterte Dr. Ehnert, der es wesentlich mitentwickelt hatte. In einer Zeit des Mangels an medizinischem Nachwuchs insbesondere für die Hausarztpraxen auf dem Land wolle man mit der Unterstützung durch eine Stadtpraxis im Kontext eines Medizinischen Versorgungszentrums eine Landarztpraxis unterstützen, skizzierte Dr. Ehnert das Konzept der Kooperation. Dies schließe die Hilfe der Seniorpartner für die Juniorpartner in allen Fragen rund um die Niederlassung ein und sichere der Bevölkerung in Münzenberg durch die Anbindung an ein universitäres Weiterbildungskompetenznetz weitgehendes medizinisches Know-how.

Angehende Gießener Mediziner mit ausgeprägtem sozialen Bewusstsein können künftig über die schon länger etablierte ambulante Famulatur von Dr. Ehnert im Inselstaat Indonesien dort unentgeltlich einige Wochen ihrer Ausbildung auf einem Medizinschiff absolvieren, das in regelmäßigen Abständen kleinere und abgelegenere Inseln ansteuert und so die internistische und chirurgische Versorgung der Inselbewohner sicherstellt.