Presse
„Man muss nicht immer operieren“

Waren sich einig: Dr. Lutz Ehnert und Dr. Norman Grolms diagnostizierten den Bluterguss am Oberarm von Werner Löbrich als Folge eines spontanen Risses der verschlissenen langen Bizepssehne durch Überlastung des Schultergelenks.
Münzenberg (HR). Wann muss oder sollte man in die Notaufnahme eines Krankenhauses? Mit Humor gab Dr. med. Norman Grolms, seit Juni 2024 Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie am Hochwaldkrankenhaus Bad Nauheim und am Bürgerhospital Friedberg, seinen interessierten Zuhörerinnen und Zuhörern im Alten Rathaus die Antwort: bei starken Verletzungen und Brüchen sowie sonstigen plötzlich auftretenden gravierenden Beschwerden. Kurzweilig gestaltete Dr. Grolms
auch seine weiteren Ausführungen, in denen er das Leistungsspektrum seiner Klinik vorstellte.
Der Vortrag in der Reihe „Gesund in Münzenberg“ gab einen Überblick darüber, was in der Diagnostik und Therapie akuter und chronischer Schmerzen des gesamten Bewegungsapparates heute möglich ist. Ursachen für Schmerzen im orthopädisch-unfallchirurgischen Bereich können neben Brüchen sowohl Prellungen als auch Weichteilverletzungen sein, Kompressionen beispielsweise eines Nervenfachs (dazu gehört das bekannte Karpaltunnelsyndrom), Entzündungen an Schleimbeutel, Sehnenscheiden oder Gelenken.
Mit zunehmendem Alter leiden Menschen häufig vor allem an Verschleißerscheinungen im Bewegungsapparat: an Gelenkknorpeln, den Gelenkbinnenstrukturen, Sehnen oder Bändern. Dies betrifft, wie Dr. Grolms anschaulich ausführte, nicht nur Knie, Hüfte oder Schultern, sondern oft auch die Wirbelsäule. „Kreuzschmerz“ sei allerdings ein häufig schwer zu fassendes Symptom, denn es gebe eine ganze Reihe möglicher Ursachen an der teilweise sehr fragilen Wirbelstruktur, die während der Suche durch gezielte Maßnahmen nacheinander ausgeschlossen oder eben bestätigt werden müssten.
Die Diagnostik vorliegender Beschwerden folgt nach Aussage des Referenten einem abgestuften, dem konkreten Fall angepassten Verfahren von der manuellen Untersuchung („aus meiner Sicht absolut unverzichtbar“) über Röntgen, Labor, Sonographie und Computertomographie bis hin zur Kernspintomographie – Methoden, die allesamt in den GZW-Kliniken zeitnah verfügbar seien.
Zu den therapeutischen Basismaßnahmen zählen laut Dr. Grolms Schmerzstillung, Kühlung, Ruhigstellung und Entlastung. Wunden seien nach Säuberung und Desinfektion zu verschließen, die Knochen nach Brüchen notfalls wieder in Position zustellen und ruhigzustellen. „Wir müssen nicht alles operieren, und das tun wir auch nicht“, betonte der Referent. In der Versorgung komplexer Brüche gehe es aber oft nicht ohne chirurgischen Eingriff. Zur Fixierung geborstener oder gesplitterter Knochen stünden für alle Bereiche des Körpers heute genau angepasste Platten, Nägel und Schrauben zur Verfügung, die je nach Material und konkreter Lage im Körper auch längst nicht mehr alle nach Monaten entfernt werden müssten.
Zu den chirurgischen Eingriffen gezählt werden ebenfalls Punktionen (zur Entfernung von nicht erwünschten Flüssigkeitsansammlungen), Infiltrationen (zur Schmerzreduzierung in Gelenken, Schleimbeuteln, an Sehnenansätzen und Sehnenscheiden) sowie Gelenkspiegelungen (Arthroskopien) an Knie, Schulter oder dem oberen Sprunggelenk mit der Möglichkeit, verletzte Strukturen zu entfernen, Knorpel zu glätten oder Bänder zu rekonstruieren.
Nach einem kurzen Streifzug durch die Welt des Gelenkersatzes für Knie, Hüfte, Schulter, Ellenbogen und Finger sowie in den Bereich der Wirbelsäulen-Operationen stellte Dr. Grolms seine Kooperationspartner vor. Dazu gehören die Praxen in den Medizinischen Versorgungszentren des GZW in Bad Nauheim, Friedberg, Schotten-Gedern und Münzenberg, Prof. Dr. Gabor Szalay im Bereich der Handchirurgie und für Wirbelsäulenoperationen die Neurochirurgen des Wirbelsäulen-Zentrums Fulda. Die anschließende Frage- und Antwortrunde gipfelte in der Vorstellung eines Patienten der Praxis an der Burg, Werner Löbrich, dessen schweren Bluterguss am Oberarm Dr. Grolms als Folge eines spontanen Risses der verschlissenen langen Bizepssehne durch Überlastung des Schultergelenks diagnostizierte.
Die Reihe „Gesund in Münzenberg“ wird am 18. Dezember 2024 fortgesetzt mit einem Vortrag von Dr. Karlfried Kainer über „Thrombose und Lungenembolie – die heimliche Gefahr“.
