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Rechtzeitigen Start nicht verpassen

„Gesund in Münzenberg“: Bei Diabetes ist möglichst frühe Diagnose entscheidend

Dr. med. Michael Eckhard, Endokrinologe und Diabetologe, Chefarzt der GZW Diabetes-Klinik Bad Nauheim und Vorsitzender der Hessischen Diabetes Gesellschaft (HDG), mit Münzenbergs Bürgermeisterin Dr. Isabell Tammer und Organisator Dr. med. Lutz Ehnert (Mitte).

Münzenberg (HR). Weltweit sind 589 Millionen Menschen an Diabetes erkrankt, und es werden immer mehr: Die bis 2050 prognostizierten Steigerungsraten der Erkrankung schwanken zwischen zehn Prozent (Europa) und 142 Prozent (Mittlerer Osten und Nordafrika). Sorge bereitet Dr. Michael Eckhard, Chefarzt der GZW Diabetes-Klinik Bad Nauheim, nach wie vor die hohe Dunkelziffer der noch unerkannten Erkrankungen. In seinem Vortrag in der Reihe „Gesund in Münzenberg“ betonte er die Notwendigkeit einer engen Kooperation zwischen Haus- und Fachärzten im Interesse einer adäquaten Diabetesbehandlung.

In Deutschland seien mehr als neun Millionen Menschen gesichert als diabeteserkrankt diagnostiziert, erklärte Dr. Eckhard. Trotz häufiger Appelle zu Vorsorge und Prävention gebe es bei den sich abzeichnenden Trends keine Entwarnung. Vielmehr sei bei insgesamt 450.000 Neuerkrankungen jährlich zwar mit einer leicht sinkenden Neuerkrankungsrate in Bezug auf alle Altersgruppen zu rechnen, allerdings mit einer steigenden Rate an Neuerkrankungen bei den 20- bis 39-Jährigen. 

Die Dramatik liegt laut Dr. Eckhard nicht nur in der Diabeteserkrankung an sich, sondern vor allem auch in den Folgeerkrankungen, die drohen, wenn die Diabeteserkrankung nicht optimal behandelt wird. „Die möglichen Folgeerkrankungen betreffen prinzipiell den gesamten Organismus, angefangen bei den Augen (drohende Blindheit) über das Hirn (Schlaganfall-Risiko) und das Herz (Infarktgefahr) bis zu den Gefäßen und Nerven der Extremitäten (mit der Gefahr von Amputationen)“, warnte der Diabetologe. 

Er riet den Anwesenden, soweit nicht schon als diabeteserkrankt diagnositiziert, im Diabetes-Risikotest acht Fragen zu beantworten und so auf sehr einfache Weise selbst festzustellen, ob ein erhöhtes Risiko gegeben sei. Für den Verlauf der Diabetes-Erkrankung und die möglichst lange Erhaltung der Lebensqualität sei eine frühzeitige Diagnose-Stellung das „A und O“. Auf keinen Fall dürften die ersten Warnzeichen in Bluttests auf die leichte Schulter genommen werden. „Mit Aussagen wie ‚Der Zucker ist ein bisschen erhöht’ oder ‚Das muss man mal beobachten‘ wird der rechtzeitige Start verpasst!“, warnte Dr. Eckhard.
Zur Erstdiagnose eines Diabetes mellitus im Erwachsenenalter gehören wegen der möglichen genetischen Disposition laut Dr. Eckhard immer die Familienanamnese, die Feststellung von Gewichtsverlauf und Taillenumfang und die Bestimmung entsprechender Laborwerte. Um die richtigen Therapieoptionen zu wählen, sei zwingend eine bestmögliche Charakterisierung des vorliegenden Diabetes notwendig. Das schließe die Antworten auf Fragen nach dem exakten Diabetes-Typ bzw. bei Diabetes Typ-2 den sogenannten „Sub-Typen“ sowie die Erkennung bereits vorhandener Begleit- oder Folgeerkrankungen ein.  

Ziele der Diabetestherapie seien Erhalt und Wiederherstellung der Lebensqualität, Erhalt von Sehkraft, körperlicher Fitness und Sexualität ebenso wie der Erhalt des Arbeitsplatzes, Minimierung der Belastungen und eventueller Nebenwirkungen durch die Therapie, Verbesserung der Schlafqualität sowie der Stoffwechselkontrolle und die Vermeidung von Folgeschäden. Schnittstelle im leitliniengerechten Behandlungsschema (DMP, Disease Management Programm) sei der Koordinierungsarzt. Für Menschen mit Typ-1 Diabetes sollte das stets die Diabetologische Schwerpunktpraxis sein, für Menschen mit Typ-2 Diabetes seien dies zu 80 Prozent die Hausärzte und zu 20 Prozent die Diabetologen). In einer gut abgestimmten  Kooperation zwischen Haus- und Fachärzten, so Dr. Eckhard abschließend, sei es möglich, das gemeinsame Ziel zu erreichen: „Für die Patienten wie auch für die Behandler soll es am besten laufen wie geschmiert.“

Der nächste Vortrag der Reihe „Gesund in Münzenberg“ ist für Mittwoch, 17. Dezember 2025, angesetzt. Dann wird Dietmar A. Borger, Sektionsleiter Gastroenterologie im Gesundheitszentrum Wetterau, die Frage beantworten: „Vorbeugung Darmspiegelung – Warum ist das sinnvoll?“ Die Veranstaltung beginnt um 18 Uhr im Alten Rathaus in Münzenberg, der Eintritt ist frei. Um eine Anmeldung über das MVZ Münzenberg (Tel. 06004 505) wird gebeten.