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Frühzeitige Behandlung nötig

Chirurgin Dr. med. Anna Bender (links) und Oecotrophologin Ida Spiers sind Teil des interdisziplinären Teams im Adipositaszentrum Wetterau des GZW am Hochwaldkrankenhaus Bad Nauheim.
Bad Nauheim (HR). Die Zahl übergewichtiger und stark übergewichtiger Menschen steigt in den letzten Jahren in Deutschland und in der restlichen westlichen Welt deutlich an. Dabei ist das krankhafte Übergewicht, die Adipositas, als chronische Erkrankung mit einer Vielzahl an Begleiterkrankungen verschiedener Organsysteme verbunden. Zum diesjährigen Weltadipositas-Tag am 4. März, so fordert die Adipositas Hilfe Deutschland e.V., müsse man über mehr als nur Gewicht reden. Sie kritisiert das "Medical Gaslighting".
„Nehmen Sie erst mal ab, dann verschwinden auch die Schmerzen.“ Sätze wie dieser sind für viele Betroffene Alltag. Die Folge nach Meinung der Adipositas Hilfe: medizinisches Personal ignoriere Symptome und verweigere notwendige Untersuchungen (wie Blutbilder oder MRTs), weil die Ursache allein im Gewicht vermutet werde. Medical Gaslighting führe dazu, dass ernsthafte Erkrankungen zu spät erkannt würden und das Vertrauen in die Medizin zerbreche. Über die tatsächlichen Ursachen des Gewichts und moderne Therapieoptionen werde dabei viel zu selten gesprochen, so die Adipositas Hilfe.
"Es ist dringend nötig, die Adipositas frühzeitig und vor allem nachhaltig zu
behandeln, um die negativen Folgen des starken Übergewichtes zu reduzieren oder besser sogar zu vermeiden", betont dagegen Dr. Ingolf Askevold, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am Hochwaldkrankenhaus Bad Nauheim und Bürgerhospital Friedberg. Gemeinsam mit Oberärztin Dr. med. Anna Bender leitet er das Adipotitaszentrum Wetterau am GZW.
Mit zunehmendem Körpergewicht steigt laut Dr. Askevold das Risiko, an Bluthochdruck (metabolisches Syndrom), einem gestörten Zuckerstoffwechsel (z.B. Diabetes mellitus, Insulin-Resistenz), Fettstoffwechselstörungen, Reflux-Erkrankungen, Lebererkrankungen, degenerativen Gelenkserkrankungen (wie z.B. Arthrose), bestimmten Krebserkrankungen und am obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom zu erkranken. „All diese Erkrankungen haben einen negativen Einfluss auf das
Wohlbefinden und die Gesundheit des Einzelnen. Das starke Übergewicht führt
dazu, dass die Lebenserwartung um bis zu 14 Jahre reduziert sein kann“, erläutert Dr. Bender.
Im Adipositaszentrum Wetterau steht den Patienten ein interdisziplinäres
Team aus Ernährungstherapeuten, Verhaltenstherapeuten, Psychotherapeuten, Inter-
nisten und Chirurgen zur Verfügung. „Wir begleiten unsere Patienten von der
Erstvorstellung mit einem ausführlichen Gespräch, Beratung und Aufklärung über die verschiedenen Therapie-Optionen von konservativen Maßnahmen (Ernährungs-
therapie, Bewegungstherapie und Verhaltenstherapie) über endoskopische oder
medikamentöse Therapieansätze bis hin zu einer operativen Behandlung“, so Dr. Bender. Neben dem multimodalen interdisziplinären Stufenkonzept zur Behandlung
der Adipositas lege das Team dabei Wert auf einen persönlichen und individuellen Patientenkontakt. Dabei seien auch die lebenslange Nachbehandlung sowie die
Diagnostik und Therapie möglicher Nebenwirkungen selbstverständlich.
Gemeinsam mit der Verhaltens- und der Bewegungstherapie bildet die Ernährungstherapie eine der drei Säulen der konservativen Adipositasbehandlung. Ida Spiers, Oecotrophologin im Team des Adipositaszentrums Wetterau, betont die Bedeutung der Ernährung im Hinblick auf Übergewicht und Adipositas. Wie eine gesunde Ernährung aussieht, sei mit Hilfe der Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) leicht verständlich und umsetzbar: "Am besten trinken Sie mindestens 1,5 Liter Wasser täglich, verzehren jeden Tag Milch und Milchprodukte sowie fünf Portionen Obst und Gemüse. Vollkorngetreide und pflanzliche Öle sollten Sie bevorzugen. Essen Sie Nüsse und Hülsenfrüchte regelmäßig. Essen Sie einmal wöchentlich Fisch und nur geringe Mengen an Fleisch und Wurst. Süßes, Salziges und Fettiges lassen Sie besser stehen", fasst sie zusammen. Zuletzt sei es wichtig, die Mahlzeiten zu genießen, körperlich aktiv zu bleiben und auf das Gewicht zu achten. Weitere Informationen zur Ernährung finden Interessierte unter www.dge.de/gesunde-ernaehrung/gut-essen-und-trinken.
