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Hausärztliche Versorgung gesichert
Münzenberg (HR) Vereinte Anstrengungen mehrerer Akteure aus Politik, Verwaltung und Gesundheitswirtschaft waren in den letzten Monaten notwendig, um die hausärztliche Versorgung in Münzenberg sicherzustellen und durch die direkte Anbindung an fachärztliche Disziplinen zukunftsfähig zu machen. Ihre Freude darüber, dass dies gelungen ist, bekundeten die Verantwortlichen anlässlich eines Gesundheitstages, mit dem sich die Praxis in sanierten bzw. neuen Räumen und mit teilweise neuer Mannschaft vorstellte.
Schon am frühen Samstagvormittag hatten sich etwa 50 Münzenbergerinnen und Münzenberger zunächst am so genannten „Biergässchen“ eingefunden, so benannt, weil der teils über Treppenstufen führende Fußweg zur Burg hinauf und von der Burg herab in früheren Zeiten im Ort direkt an einer Gaststätte mündete. Ab sofort ist dies mit der ausdrücklichen Zustimmung von Sebastian Kneipp (alias Peter Wolff) die neue und passend ausgeschilderte „Kneipp-Venen-Treppe“ und nach dem Kneipp-Tretbecken in Ober-Hörgern das zweite Puzzleteil, das Münzenberg zur sich entwickelnden Kneipp-Region Wetterau beisteuert. Die schon länger geplante Sanierung des Fußweges hatte der städtische Bauhof rechtzeitig zum Einweihungstermin vorgenommen.
350 Meter entfernt, im Hof der Praxis an der Burg, lauschten wenig später an die 80 Personen den Erläuterungen von Bürgermeisterin Dr. Isabell Tammer, Landrat Jan Weckler, Ideengeber Dr. Lutz Ehnert und GZW-Geschäftsführer Dr. Dirk M. Fellermann, die aus ihren unterschiedlichen Blickwinkeln heraus das Gemeinschaftsprojekt würdigten und sich für die gute Zusammenarbeit mit den jeweils anderen Partnern bedankten.
Das Gebäude im Steinweg 4 gehört dem 1309 von einer Adligen zur Gesundheitsversorgung der Bevölkerung eingerichteten Hospitalfonds Münzenberg und beherbergt seit 1874 (und damit seit genau 150 Jahren) eine Hausarztpraxis. Allgemeinmediziner Jürgen Fölsing ist seit 30 Jahren das Gesicht dieser Praxis, und ihn – wie so viele niedergelassene Ärzte im ländlichen Raum – bekümmerte seit Jahren die vergebliche Suche nach einem Nachfolger/einer Nachfolgerin. Eine zwischenzeitlich mit Hilfe von Dr. Lutz Ehnert gefundene Lösung erwies sich im Frühjahr 2024 abrupt als nicht wirklich tragfähig und führte zudem dazu, dass die Praxis Anfang Juli praktisch ohne Inventar dastand.
In seiner Not wandte sich Dr. Ehnert an GZW-Geschäftsführer Dr. Fellermann, mit dem ihn seine jahrelange Tätigkeit im Aufsichtsrat des regionalen Krankenhausverbundes Gesundheitszentrums Wetterau verbindet. „In einer Woche hat das Team des GZW unsere Praxis neu ausgestattet, und wir konnten weitermachen – das war eine großartige Leistung“, hob Ehnert hervor und kündigte an, auch künftig werde die Praxis eng mit dem GZW kooperieren.
Die Stadt Münzenberg hatte zwischenzeitlich ein Übriges getan und 1,1 Millionen Euro (davon 500.000 Euro Fördermittel) in die Sanierung des alten Gebäudes (einschließlich Einrichtung einer Wohnung im Obergeschoss) sowie die Erweiterung um einen Neubau investiert. „Es ist immer leichter, ein modernes Ärztehaus auf die grüne Wiese zu bauen, aber wir wollen die Innenstadtentwicklung vorantreiben, so bleibt das Leben in den Ortskernen“, betonte Bürgermeisterin Dr. Tammer.
Landrat Jan Weckler skizzierte die aktuelle Situation im Gesundheitsbereich, die für niedergelassene Ärzte ebenso wie für Krankenhäuser als stationäre Gesundheitsanbieter ohnehin schwierig sei und durch den allgemeinen Fachkräftemangel weiter verschärft werde. „Wir brauchen kluge Lösungen, und eine solche haben wir in Münzenberg gefunden. Der Mensch muss immer im Mittelpunkt stehen“, bekräftigte Weckler.
Dr. Fellermann bekundete der Stadt Münzenberg „Respekt und Anerkennung“ für die hohe Investition in das Ärztehaus. „Die Arztakquise war nicht ganz einfach, doch wir haben gemeinsam den Neuanfang gewagt“, wandte der GZW-Geschäftsführer sich direkt an Dr. Ehnert. Sein Dank galt Jürgen Fölsing, der bislang die Stellung gehalten und sich zudem bereiterklärt habe, gemeinsam mit seinen neuen Kolleginnen Gina Kretschmann und Jessica Modes-Aulke noch eineinhalb Jahre weiterzumachen.